Keiner macht Drogen

Eine Pflanze, zwei legale Geschäftsbereiche: Hanfanbau für CBD-Öl und Superfood. Drei große heimische Player berichten aus der Praxis.

(Foto: BioBloom GmbH.)

Wie Sie high werden, lesen Sie hier nicht – so viel schon vorab. Darum sparen wir uns schlüpfrige Anspielungen auf Kiffen und Gras und gehen gleich zur Sache. Das Hanfgeschäft teilt sich auf zwei Bereiche auf: Lebensmittelhanf (die Samenkörner) sowie CBD-Öle und -Produkte (sie werden aus den Blüten extrahiert). Beides ist in Österreich legal, so lange der Cannabinoid-Gehalt unter einem bestimmten Grenzwert bleibt. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol – das zweithäufigste der rund 200 Cannabinoide. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der berauschende und häufigste Cannabinoidanteil.

Nur zugelassene Sorten anbauen

Er sieht aus wie kleine weiße Linsen und schmeckt nussig, ein wenig wie Sesam: Die Rede ist von Hanf; genauer gesagt Lebensmittelhanf. Und der hat überhaupt nichts mit Cannabis, Haschisch, Marihuana zu tun. „Speisehanf hat einen verschwindend kleinen THC-Gehalt, keinerlei berauschende Wirkung und ist völlig legal in Österreich“, erklärt Gerda Steinfellner, Geschäftsführerin der Firma Hanfland im niederösterreichischen Laa an der Thaya.

In Österreich und der EU darf Nutz- und Lebensmittelhanf nur mit einem THC-Anteil von weniger als 0,3 Prozent angebaut werden, ist also nahezu THC-frei. Gesät werden ausschließlich von der EU zugelassene und zertifizierte Sorten. Darüber hinaus kontrolliert die AMA den Anbau stichprobenartig.

Eine Hanfpflanze wird rund drei Meter hoch, nur die weibliche trägt Samenkörner. Nach der Ernte gegen Sommerende wird die Hanfpflanze gedroschen, die Samen werden getrocknet, gereinigt und weiterverarbeitet.

Superfood mit viel Omega 3

Im niederösterreichischen Ort „Hanfthal“ startete Steinfellner 2004. „Hanf ist Superfood: Die Samenkörner enthalten so viel Omega-3-Fettsäuren wie Seefisch. Weiters viel Eisen, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kalium,
Schwefel, Aminosäuren und Vitamine – ideal für Vegetarier und Veganer“, so Steinfellner, die studierte Ernährungswissenschaftlerin ist.

Bald holte sie Partner mit ins Boot. Mittlerweile produzieren 80 Vertrags-Biolandwirte in Niederösterreich und der Steiermark für Hanfland die Samenkörner – stets in kontrollierter Bio-Qualität.

Veredeln statt Lohnschälen und Stroh

Haupttätigkeit von Hanfland ist das Schälen der Samen in der eigenen Hightech-Schälanlage. Sie war eine der ersten in Europa und schluckte Investitionen von 1,2 Millionen Euro. Zusätzlich wurde eine Ölmühle übernommen und Schmid und Hagenauer entwickelten eine Anlage zur Hanfstrohverarbeitung. Doch mit wenig Erfolg. Die Nachfrage nach diesem Stroh wäre da, doch die aufwendige Herstellung ist in Österreich nicht rentabel. Steinfellner: „China produziert viel billiger.“

Zurück zum Samenschälen. 2016 erlebte die Firma einen Rückschlag. Ein wichtiger Großkunde beendete die Lohnschälung bei Hanfland. „Unsere für 800 Tonnen ausgelegte Schälanlage verarbeitet jetzt gerade mal 200 Tonnen pro Jahr“, zieht Steinfellner negatives Resümee. Also Strategiewechsel und verstärkt auf bio-zertifiziertes Superfood wie Hanfsamen, Hanfsamenöl, Mehl, Knabberhanf, Hanfschokolade, Kekse, Müsli usw. aus eigener Produktion setzen. Hochwertige Nebenprodukte sind Hanfschrot als Pferdefutter sowie Proteinpulver.

60 verschiedene Produkte bietet Hanfland heute an. „Lange Zeit wurde ich auf Weihnachtsmärkten und Biomessen wie eine Drogendealerin angeschaut und gefragt, ob man davon nicht high wird. Mitunter hätte ich lieber Wurst verkauft! Das ist jetzt schon viel besser, aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, sagt Steinfellner.

Eigene Shops und Händler

Um den Speisehanf an den Endkunden zu bringen, setzt Hanfland auf eine breite Aufstellung – mit vielen Partnern,
diversem Vertrieb, zwei eigenen Shops sowie Kooperationspartnern wie z. B. Styx (Hanf-Naturkosmetik) oder Naschwerk (Backwaren). „2016 gab es einen Ruck, die Nachfrage schnellte in die Höhe. Nun gilt es, die Kunden davon zu überzeugen, dass Bio-Hanf aus Österreich wesentlich hochwertiger ist als Billigprodukte aus dem ehemaligen Ostblock oder China.“

Einem Prinzip bleibt Steinfellner stets treu: Sie setzt niemals auf CBD Produkte aus der Hanfblüte. „Dieses Geschäft ist mir viel zu unsicher, der rechtliche Rahmen immer noch ein gewaltiger Graubereich.“

Der zweite Große im Hanfbauernbund

Zweites dominierendes Unternehmen für Lebensmittelhanf in Österreich ist Hanfwelt der Familie Riegler-Nurscher im niederösterreichischen St. Leonhard am Forst. Stefan Riegler-Nurscher übernahm 2002 vom Vater die Bio-Landwirtschaft und organisierte den Hanfanbau neu. 2019 wurde die Sparte als Hanfwelt GmbH & Co KG ausgelagert und verarbeitet nun Speisehanf von rund 80 Vertragslandwirten und 500 Hektar Fläche.

Ähnlich wie Hanfland ist auch Hanfwelt auf das Schälen der Hanfsamen spezialisiert. „Unser Business begrenzt sich auf den Verkauf von biologischem Schälhanf, den gedroschenen, getrockneten, aufbereiteten und geschälten Samenkörnern.“ Für den Endverbraucher gibt es zusätzlich Speisehanföl, Knabberhanf, Tees und Säfte.

Zur Weiterverarbeitung geht der Schälhanf großteils nach Deutschland. „Hier ist der Bio-Absatz viel größer. Ein Teil meines Hanfs kommt veredelt wieder in die Heimat zurück – als Hanfprodukte der Firma Rapunzel.“ Die Vermarktung erfolgt online sowie über diverse Bio-Läden und Reformhäuser.

„Hanf ist kein einfaches Geschäft“, gesteht auch Stefan Riegler-Nurscher ein. Eine CBD-Produktion kommt für ihn ebenfalls nicht in Frage. „Das Geschäft mit den Blüten ist ein windiges Thema mit schlechtem Image und einer extremen rechtlichen Unsicherheit. Das gleicht einem Lotteriespiel. Das überlasse ich anderen!“

CBD aus dem Burgenland

Einer von diesen „anderen“ ist BioBloom in Apetlon im Burgenland. Das junge Unternehmen ist mit Bio-CBD-Ölen und -Extrakten Marktführer in Österreich. „Wir haben biologische, zu 100 Prozent naturreine Vollextrakte. Auf Zusatzstoffe, aromatische Verstärker und Anreicherungen mit CBD-Isolaten verzichten wir“, erklärt Geschäftsführerin Elisabeth Denk stolz. Sie kenne in Europa niemanden, der das in ähnlicher Qualität schafft.

Laut Denk haben nur natürliche Vollextrakte eine echte medizinische Wirkung: diese enthalten nicht nur CBD, sondern weitere Cannabinoide und pharmakologisch aktive Substanzen wie die Cannabidiolsäure CBDa, Terpene und Flavonoide. „Der CBD-Markt ist undurchsichtig mit viel Schwindel“, erklärt Denk. Da wird mitunter Hanfsamenöl mit synthetischem CBD angereichert und als echtes CBD-Öl verkauft. „Mit solchen Fakes geriet der anfängliche Hype schnell in Misskredit“, klagt Denk. Echter CBD-Naturvollextrakt muss dunkel, bitter und scharf sein.

Anbau und Produktion aus einer Hand

BioBloom startete 2015 mit den ersten Hanffeldern in Apetlon im Burgenland. Denk: „Für mich war der Hanf interessant und ich sah ein hohes Potenzial.“ Für die Qualität spielen mehrere Faktoren zusammen: die eigens entwi ckelte Anbau- und Erntetechnik, die nährstoffreichen Böden des südlichen Neusiedler Sees sowie das milde pannonische Klima. „Unsere Pflanzen sind extrem gesund. Nur so gelingt ein natürliches, zehnprozentiger Vollextrakt“, erklärt die BioBloom-Geschäftsführerin.

Nach der händischen Ernte der Blüten und der Trocknung erfolgt die Extraktion. Man setzt auf die schonende CO2-Extraktion ohne Lösungsmittel und holte dafür das deutsche Speziallabor Nateco ins Boot. „Die weitere Verarbeitung der Extrakte geschieht dann wieder bei uns“, so Denk.

Endprodukte sind CBD-Bio-Hanf-Tropfen, Extrakte mit einer Konzent ration von vier, sechs, acht und zehn Prozent. Ein Zehn-Milliliter-Flascherl in letzterer Intensität kommt im Online-Shop auf 65 Euro. Ebenso produziert werden CBD-Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Der Verkauf erfolgt online, über Apotheken, den Reformhandel und Hanfshops, zu haben sind die – definitiv nicht berauschenden – Produkte in zehn Ländern bis Japan.

Das Geschäft läuft bestens und das Unternehmen mit derzeit 25 Mitarbeitern wächst organisch – trotz hoher Produktionskosten und ständiger Billigkonkurrenz. Denk: „Wir spüren den Trend zu natürlichen Alternativen im Gesundheitsbereich stark. Die Menschen hinterfragen die Produkte und Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung.“

Unklare Rechtslage

Wie ist die Rechtslage in Österreich? „Dazu sage ich gar nichts, sonst bekomme ich nur Schwierigkeiten“, wehrt Elisabeth Denk ab. „Nur so viel: Man braucht eine eigene Rechtsabteilung. Wir haben mit meinem Bruder und Co-Geschäftsführer Thomas Denk einen Hausjuristen.“ De facto ist die rechtliche Situation sowohl in Österreich als auch in der EU undurchsichtig. Die Bestimmungen für zugelassenen THC-Gehalt und Art der Einnahme ändern sich ständig und Etikettenschwindel (z.B. ausländische für österreichische Produkte erklären) gehört zur Tagesordnung. Da die Rechtslage zur Deklarierung von CBD-Extrakten als Nahrungsergänzungsmittel unklar ist, firmieren die BioBloom-Produkte als „Bio Hanf Aroma Extrakte“.

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