Porträt: Österreichische Bundesforste

Holz bleibt zwar das Kerngeschäft, mittlerweile machen die ÖBf aber mehr Umsatz mit erneuerbarer Energie, Immobilien, Jagd und Fischerei.

Die Bundesforste-Vorstände Georg Schöppl und Rudolf Freidhager (Foto: ÖBf/Mark Glossner)

Hardcore-Kapitalisten muss die Bilanzpräsentation der Österreichischen Bundesforste für das Jahr 2014 einen Schlag in die Magengrube versetzt haben. Denn trotz hohem Holzpreis wurde nicht mehr geerntet, sondern weniger als noch vor wenigen Jahren. Aber, so Vorstand Georg Schöppl: „Die Menge richtet sich bei uns nicht nach dem Preis, sondern nach der Natur. Das heißt, wir ernten genau das, was nachwächst.“ Der sich daraus ergebende „Hiebssatz“ sind seit nunmehr vier Jahren rund 1,5 Millionen Erntefestmeter pro Jahr. 1997 zum Zeitpunkt der Ausgliederung der ÖBf als AG und lange Jahre danach waren es, bedingt durch wiederholte Windwürfe, noch deutlich über zwei Millionen und damit mehr, als die Natur im Sinne der Nachhaltigkeit – der Begriff stammt im Übrigen aus der Forstwirtschaft – hergibt.

Trotzdem wächst und gedeiht das Unternehmen Bundesforste. Das eigene Holz macht zwar nur noch rund die Hälfte des Umsatzes aus, die zweite Hälfte aber bringen immer mehr andere Dinge, die die von den ÖBf verwaltete Natur „produziert“ – allen voran Immobilien, erneuerbare Energie, Jagd und Fischerei.

Bäuerliches Grundverständnis

Die Bundesforste sind zwar kein Familienbetrieb, sie werden aber fast wie ein solcher geführt. 1997 aus der Bundesverwaltung im Landwirtschaftsministerium ausgegliedert und in eine AG umgewandelt, denkt der Vorstand trotzdem in Generationen – in mehreren sogar. Schöppl: „Es wäre einfach, für ein paar Jahre die Ergebnisse hochzuschrauben und sich in der Sonne des Erfolgs zu präsentieren, das würde jedoch unserem Grundverständnis zuwiderlaufen.“

Nachhaltigkeit leitet aber nicht nur Schöppls tägliche Arbeit, sondern sein ganzes Leben: „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und in diesem Generationsdenken geprägt.“ Der mittlerweile von seinem älteren Bruder geführte Hof im Innviertel ist mehr als 500 Jahre alt. Schöppl selbst hat dort nicht nur seine Kindheit verbracht, sondern bis zu seiner Zeit als Student mitgearbeitet. Dafür wurde dem Zweitgeborenen ermöglicht, Jus zu studieren. Stipendien brachten ihn sogar nach Bologna und nach Washington. Seine berufliche Karriere startete er 1992 als Parlamentsmitarbeiter, später war er Kabinettschef von Wilhelm Molterer. 

In der Privatwirtschaft doch besser aufgehoben, erlebte Schöppl, heute 48, verheiratet und Vater von drei Kindern, in jungen Jahren bei Berglandmilch eine Großfusion, 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender der AMA und 2007 schließlich einer von zwei Vorständen der ÖBf, zuständig für Finanzen und Immobilien. 

Urgestein back aus Bayern

Mit Rudolf Freidhager (57) hat Schöppl seit April einen neuen Co-Vorstand, der die Bereiche Forst (inklusive Jagd und Fischerei) sowie Naturschutz verantwortet. Freidhager ist, wie er – ob des damit assoziierten Alters zähneknirschend – zugibt, ein „Bundesforste-Urgestein“. Ab 1988 bei den Bundesfors­ten in verschiedenen Funktionen tätig, durfte der gelernte Forstwirt und wie Schöppl Oberösterreicher auch „den ersten Schub der Unternehmensentwicklung miterleben und mitgestalten“, so Freidhager: „Dieser Transforma­tionsprozess von einer Verwaltung zum Unternehmen war höchst spannend.“ 

Vor allem, weil man sich traute, viel auszuprobieren. Dass dabei nicht gleich alles klappte, musste Freidhager, schließlich zuständig für das europäische Geschäft, ebenfalls zur Kenntnis nehmen. Der Versuch, etwa in Russland Fuß zu fassen, scheiterte. Freidhager: „Russland war Lehrgeld, das nehme ich auf meine Kappe.“ Aber, so Freidhager: „Wer nichts unternimmt, ist ein Unterlasser, aber kein Unternehmer.“

Das gilt auch für ihn persönlich. Als 2005 die „Bayerische Staatsforsten“ privatisiert werden, bekommt er den Tipp, sich für die Position des technischen Vorstands zu bewerben, und wird Vorsitzender des Vorstands. Ministerpräsident Edmund Stoiber himself hatte ihn für den Geeignetsten befunden. Freidhager macht seinen Job, die Bayern zählen zu den erfolgreichsten Forstunternehmen Europas. Als 2014 der Forst-Vorstand der ÖBf, Georg Erlacher, zur Schweighofer-Gruppe wechselt, zieht es ihn aber wieder an seine alte Wirkungsstätte, denn die hat sich in der Zwischenzeit zu einem „dynamischen und quirligen Unternehmen“ entwickelt, so Freidhager.

Rosskur und neue Horizonte

Nachhaltige Holzproduktion und ein der alpinen Lage geschuldeter, geringerer Anteil an Wirtschaftswald als etwa in Bayern zwingen die ÖBf, sich nach weiteren Einnahmequellen umzusehen und sich einer Rosskur zu unterziehen. Sparkurs und technologischer Wandel reduzierten den Personalstand von 1.886 auf heute 1.153. Ein harter, aber notwendiger Einschnitt, so Schöppl, der als Überlebensfrage „auch ein Anhänger wirtschaftlicher Nachhaltigkeit“ ist. Eine „Schattenrechnung“ gibt ihm recht: „Mit den selben Personalkosten von 1997 und den Immobilienerlösen von damals nur indexiert, hätten wir heute nicht einen Überschuss von 30 Millionen Euro, sondern ein Minus von fast 28 Millionen.“

Wirtschaftlich nachhaltig werden vor allem die Immobilien ab 1997 äußerst aktiv bewirtschaftet. Insbesondere mit Baurechtsverträgen, die statt nur einmal laufend Geld bringen. Schöppl: „Was verkauft ist, ist verkauft. Und dann ist es fort.“ 2014 wurden im Bereich Immobilien 40,6 Millionen Euro erlöst, bis 2020 sollen es mehr als 50 Millionen sein – „mit einem entsprechenden De­ckungsbeitragswachstum. Ich bin kein Umsatzfetischist, sondern ich will was verdienen dabei“, so Schöppl.

Bundesforste machen Wind

Verdienen wollen die ÖBf auch mit erneuerbaren Energien, für die ein eigenes Kompetenzteam aufgebaut wurde. Vor allem mit Kleinwasserkraft und nun auch mit Windkraft. In Pretul in den Fischbacher Alpen entsteht der erste eigene Windpark mit insgesamt 14 Windrädern, die sich bis 2017 drehen und dabei 87 GWh Strom erzeugen sollen. 58 Millionen Euro kostet das Projekt. Schöppl: „Als ich begonnen habe, lag unsere Stromproduktion bei einem GWh, heuer sind es 55 GWh.“ Bis Ende 2017 sollen es bereits 150 GWh sein, so Schöppl. Freidhager will zudem auch die von der Papier- und Zellstoffindustrie bekrittelte Nutzung von Biomasse nicht außer Acht lassen, denn: „Biomasse ist Grundlaststrom und gleicht die Volatilitäten von Sonne und Wind aus.“ ­Außerdem würden Biomassekraftwerke beitragen, die Waldpflege – nicht nur für die Bundesforste – attraktiver zu machen.

Weil in den von den Bundesforsten betreuten Gebieten nicht nur Bäume, sondern auch Tiere gut gedeihen, sind auch Jagd und Fischerei Umsatzbringer, die noch wachsen können. Außerdem werden derzeit drei Millionen Euro in die Fischzucht investiert, um die Produktion der hauseigenen „Wildkultur“ von derzeit 40 Tonnen bis 2019 auf 240 Tonnen zu steigern. 

Der Wald der Zukunft

Im Umbruch ist aber auch das Kerngeschäft. Und das leider nur allzu oft im Sinne des Wortes. Denn die dem Klimawandel zugeschriebenen Stürme der letzten Jahre haben den Bundesforsten einen gehörigen Strich durch ihren Hiebssatz gemacht. Vor allem darauf gilt es sich einzustellen, weiß Freidhager, der von einem Temperaturanstieg von nicht mehr als zwei Grad bis 2050 ausgeht: „Bei mehr als vier Grad haben wir das Klima von Marokko. Dann ist Schluss mit dem Wald.“ 

Zwei Grad hingegen würde unser Wald verkraften, wenn auch in verändertem Bestand. Freidhager: „Unser Brotbaum heute ist die Fichte. In den Tallagen, wo wir heute schon Probleme haben, werden diese zunehmen, dafür wird sie nach oben in Lagen kommen, wo sie heute noch keine Wuchsbedingungen vorfindet.“ Umso wichtiger sei es, den Holzeinschlag auf das zu begrenzen, was nachwächst und die Reproduk­tionskraft des Waldes zu erhöhen, so Freidhager. Das will er auch durch neue Arten schaffen, die die Fichte als Brotbaum ergänzen könnten wie die Douglasie etwa. Freidhager: „Wir wissen nicht, welche Möglichkeiten es in 50 Jahren gibt, Holz einzusetzen. Also wollen wir mehrere Arten forcieren, um dann auch davon etwas zu haben.“ Dass Nachhaltigkeit manchmal aber auch schneller passiert, zeigt ihm das eigene Haus. Denn ursprünglich sollte der dreistöckige in Holz errichtete Hauptsitz der ÖBf nicht in Purkersdorf bei Wien, sondern in Wien errichtet werden, scheiterte aber an der Bauordnung. Freidhager: „Heute plant man in der Seestadt Aspern einen 24-Geschoßer, das höchste Holzhaus der Welt. Dazwischen liegen 15 Jahre.“

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