Vom Abfall zum Designerstück

Trash ist fesch: Wie man nutzlosen Dingen neues Leben einhaucht und dabei sozial wohltätig ist, zeigt die boomende Upcycling-Szene. Reich wird man in diesem Geschäft aber nicht.

Knapper werdende Rohstoffvorräte drängen zu mehr Umweltbewusstsein beim Kauf. Aus alten Schwimmwesten werden Rucksäcke, aus Kaffeekapseln Halsketten und aus Waschmaschinentrommeln Tische. Im Gegensatz zu Recycling wird bei Upcycling allerdings nichts eingeschmolzen oder geschreddert, sondern ein Abfallprodukt durch Modifizierung im Wert gesteigert.

Was seinen traurigen Ursprung in den Slums Südamerikas und Afrikas hat, gilt hierzulande als schicke Melange aus Handwerk, Design sowie sozialer Einstellung und Nachhaltigkeitsgedanken. TOP-GEWINN warf einen Blick hinter die Kulissen heimischer Upcycling-Betriebe.

Suchtkranke in der Werkstatt

Beim Wiener Upcycling-Pionier Gabarage stehen zehn ehemalige Suchtkranke in der Werkstatt. Sozialarbeiter bereiten sie dort auf den Wiedereinstieg in ein geregeltes Berufsleben vor. "Bei uns lernen sie, nüchtern mit Konflikten umzugehen und pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Aber sie knüpfen auch neue Kontakte und bekommen handwerkliche Qualifikationen", berichtet Gabriele Gottwald-Nathaniel, die ihre Schützlinge in hohen Tönen lobt. "Wir wollen kein klassischer Beschäftigungsbetrieb sein, sondern das Potenzial von Suchtkranken ausschöpfen." Gemeint ist damit Kreativität, denn die Arbeitskräfte werden in die Produktentwicklung eingebunden. Trotzdem ist der Alltag dort nicht immer leicht - geprägt von Rückfällen, verminderter Arbeitsfähigkeit, AIDS- und Hepatitis-Erkrankungen. Nach maximal einem Jahr müssen sie die Werkstatt wieder verlassen.

Um finanziellen Gewinn geht es bei Upcycling nicht in erster Linie. Gabarage etwa darf als gemeinnütziger Verein auch gar kei- nen erzielen. 300.000 Euro Nettoumsatz pro Jahr dienen dem Selbsterhalt. Zwei Drittel des Umsatzes stammen von Großkunden, die Werbeartikel oder Giveaways produzieren lassen. Der Rest läuft über den Shop.

Statussymbol

Wer heute Upcycling-Produkte verkauft, kann mit starker Nachfrage rechnen. Upcycling-Produkte mutieren zum Statussymbol und zum Ausdruck des nachhaltigen Lebensstils. Zielgruppe sind sowohl Studenten, die billige Produkte mit dem Trash-Faktor suchen, Touristen, die witzige Souvenirs kaufen, und Design-Affine, die für Qualität hohe Preise zahlen. Mittlerweile haben auch große Modemarken das Thema Upcycling aufgegriffen.

"Viele Kunden suchen ausgefallene Produkte und wollen damit Nachhaltigkeit demonstrieren", erzählt Markus Spitzbart, der die 2004 gegründete TrashDesignManufaktur als eigene Upcycling-Abteilung des DRZ (Demontage und Recycling Zentrum) in Wien führt. Auf dem Arbeitsmarkt schwer zu vermittelnde Transitarbeitskräfte basteln dort Schmuck, Möbel und Deko-Artikel. Jährlich schafft die Manufaktur ein bis zwei Tonnen an Output, der Verkauf generiert 150.000 Euro. "Nächstes Jahr wollen wir uns auf fünf bis zehn Tonnen steigern", erzählt Spitzbart. Topseller ist derzeit die Schüssel aus dem Bullauge der Waschmaschine. Rund 1.000 Stück à 38 Euro wandern pro Jahr über den Ladentisch bei Weihnachtsmärkten, im Shop, online sowie über 20 Vertriebspartner wie etwa Designershops.

Rock mit Vergangenheit

Dass man aus Herrenanzügen Damenmode machen kann, zeigt Cloed Priscilla Baumgartner mit ihrem Modelabel "Milch". Sie verwendet aussortierte Ware der Volkshilfe Kleidersammlung und lässt sie in sozialökonomischen Betrieben, wie etwa der Volkshilfe Merit, zu Röcken, Jacken und Kappen schneidern. Große Spannen sind aber nicht möglich: So kostet die Produktion eines Kleides exklusive Material 35 Euro, verkauft wird es um 130 Euro. Kurze Transportwege, faire und lokale Produktion sind die Eckpfeiler dieses Geschäftes. "Die Geschichte hinter dem Kleidungsstück ist das größte Verkaufsargument", verrät Baumgartner, die mit Vertriebspartnern in Deutschland, Spanien und Finnland zusammenarbeitet.

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