Zauberpilze, Spermatests und der Trainer aus dem Spiegel

Warum Magic Mushrooms, Fruchtbarkeit und Home-Workouts bei Investoren im Silicon Valley gerade hoch im Kurs stehen.

Magic Mushrooms gelten im Silicon Valley als das „Marihuana von morgen“. Investoren wetten auf Erfolge in der Therapie von Depressionen (Foto: eskymaks - GettyImages.com)

Wenn es um Innovation und die dazu benötigten Inves­toren geht, führt oft kein Weg am Silicon Valley in Kalifornien vorbei.  Auch in der Corona-Pandemie haben die im „Valley“ ansässigen Firmen eine Schlüsselrolle eingenommen:  Ob Zoom, Facebook, Alphabet (Goog­le), Netflix oder Apple – Covid-19 hat den Siegeszug der dort beheimateten IT-Riesen weiter befeuert.

So manche Silicon-Valley-Erfolgsgeschichte kann ihre Anfänge auf eine Wirtschaftskrise zurückführen. Airbnb, Uber, WhatsApp, Instagram und Stripe (Online-Bezahldienst) wurden allesamt im Schatten der Finanzkrise 2008/2009 gegründet. So stellt sich die Frage, was die nächsten Innovationsbereiche abseits des „Mainstreams“ von Künstlicher Intelligenz, autonomem Fahren und FinTech sind, auf die in Kalifornien gewettet werden. Während Internet-Start-ups im ers­ten Quartal 2019 noch gut zehn Milliarden Euro an Investitionen verbuchen konnten, fiel diese Zahl 2020 auf unter neun Milliarden (ein Minus von 18 Prozent). Der Gesundheits- und Fitnessbereich hingegen konnte laut der Beratungsgesellschaft PwC ein sattes Investitionsplus von 25 Prozent verbuchen und liegt mit einem Volumen von über fünf Milliarden Euro mittlerweile auf Platz zwei.

Und das sind drei heiße Anwärter für große Zukunftstrends:

1. Pilze als Marihuana von morgen

Ganz weit oben steht die „Wiederentdeckung“ von Psychedelika wie LSD und „Magic Mushrooms“. Scheint die Legalisierung von bewusstseinserweiternden Drogen in Österreich noch in weiter Ferne zu liegen, wurden Magic Mushrooms bereits in einzelnen Städten in den USA entkriminalisiert. Während viele Studien bereits in den 1950er-Jahren auf das medizinische Potenzial von Halluzinogenen hinwiesen, begab sich dieser Forschungsbereich aufgrund des „War on Drugs“ in einen fast fünf Jahrzehnte dauernden Winterschlaf.

Neue Daten sind jedoch vielversprechend: Eine viel beachtete Studie im Magazin „Nature“ aus dem Jahr 2017 zeigte, dass nach Behandlung mit Psilocybin, dem aktiven Wirkstoff in Magic Mushrooms, bei 47 Prozent der an behandlungsresistenter Depression leidenden Probanden in nur fünf Wochen positive Resultate erzielt werden konnten. In einer anderen großangelegten Studie bewiesen Forscher, dass von 300 an schwerer, posttraumatischer Belastungsstörung leidenden Patienten 68 Prozent in nur zwölf Monaten so weit geheilt wurden, dass sie nicht mehr der klinischen Definition der Erkrankung entsprachen (die Patienten litten davor bereits im Durchschnitt 18 Jahre an ihren Beschwerden).

Bei solch vielversprechenden Ergebnissen ist es nicht erstaunlich, dass Psychedelika bereits als das „Marihuana von morgen“ beschrieben werden und die Stanford University bereits einen Kurs in psychedelischer Medizin anbietet. Investoren wie PayPal-Gründer Peter Thiel haben laut Bloomberg 2020 bereits knapp 30 Millionen Euro in Psychedelika-Start-ups investiert. Field Trip, ein Anbieter psychedelischer Medizin, plant bis 2023 50 bis 60 Psychedelika-Behandlungszentren in den USA und Kanada zu eröffnen.

2. Fruchtbarkeitsturbo für Männer

Medizinische Fruchtbarkeit ist hierzulande bereits im Lebensalltag angekommen. 2019 wurde laut MedUni Wien bereits jedes zehnte Kind in Österreich mithilfe von künstlicher Befruchtung gezeugt. Analysten des Marktforschungsunternehmens Market Research Future erwarten, dass der globale Markt für Fruchtbarkeitsprodukte und -dienstleistungen bis 2023 auf 32 Milliarden Euro wachsen wird – und damit auch ein ebenso „fruchtbarer“ Bereich für Investoren entsteht. Führende Beteiligungsunternehmen wie Bain Capital Ventures setzen längst nicht nur noch auf Frauen als potenzielle Kunden: Legacy, YoSperm und ExSeed, die vom Sperma-Einfrieren bis hin zu Qualitätstests für daheim eine Vielzahl von innovativen Lösungen anbieten, wetten darauf, dass auch Männer sich zunehmend um ihre Fruchtbarkeit sorgen werden.

3. Fitness im Home(-office)

Eine andere Befürchtung, die gerade in Zeiten von Corona viele von uns hegen, ist der Erhalt der persönlichen Fitness in den eigenen vier Wänden. Peloton verbindet Spinning-Räder für das Eigenheim mit interaktiven Work-outs. Der Anbieter wird an der Börse mit stattlichen 16 Milliarden Euro bewertet. Mirror, eine New Yorker Firma, die einen Spiegel herstellt, der sich in einen Video-basierten Personal-Trainer verwandelt, wechselte erst Anfang Juli um 440 Millionen Euro den Eigentümer.

Fazit

Wie immer ist nicht alles Gold, was glänzt, und so wird sich auch nicht jeder Trend aus dem Silicon Valley in den USA oder in Österreich langfristig durchsetzen. Während wir auch hierzulande einen Boom im Bereich Fruchtbarkeit sehen werden, könnte es noch länger dauern, bis bei uns die ersten Psychedelika-Behandlungszentren ihre Türen öffnen. Und ob der Personal-Trainer aus dem Spiegel das Workout auf den Berggipfeln vor unserer Haustüre ersetzt, sei dahingestellt.

Sarah Buchner und Lorenz Pallhuber absolvieren derzeit ein MBA-Studium an der renommierten Stanford University. Für GEWINN berichten sie aus dem Silicon Valley über Innovation und Tech.

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