Zweite Chance für Erstgekochtes

Der dänische Dienst „Too Good To Go“ fasst in Österreich Fuß und vernetzt übrig gebliebenes Essen aus Bäckereien, Restaurants und Hotels mit Schnäppchenjägern.

Überschüsse in der Gastronomie wandern am Tagesende im „Überraschungssackerl“ zu günstigen Preisen zum Kunden. Möglich macht das der Dienst „To Good To Go“, der dafür aber eine fette Provision einstreift (Foto: Too Good To Go)

Pro Jahr werden weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Alleine in Österreich landen eine Million Tonnen im Müll. Um gegen dieses Problem anzukämpfen, haben 2016 ein paar Dänen am Rande eines Mittagsbuffets in Kopenhagen die Idee für eine App entwickelt. „Too Good To Go“ sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an und ist für Gebäck und zubereitete Speisen die „zweite Chance“.

Besucht man etwa kurz vor Ladenschluss eine Bäckerei, ist die Vitrine oft noch voll. Logisch, dass davon viel im Müll landet. Via „Too Good To Go“ haben Unternehmen die Möglichkeit, übrig gebliebene Ware zu einem vergünstigten Preis „last minute“ zu verkaufen.

Das funktioniert so: Die teilnehmenden Betriebe, etwa Bäckereien, Restaurants oder Hotels, geben jeden Tag an, wie viel ihnen voraussichtlich übrig bleiben wird. Die regis­t­rierten Endkunden sehen, wo es wann etwas zu holen gibt. Aber sie sehen nicht genau, welche Speisen es sind. Denn: „Das liegt daran, dass man als Betrieb im Vorhinein ja nicht weiß, was genau übrig bleiben wird“, erklärt Georg Strasser, der bei „Too Good To Go“ in Österreich als Country Manager fungiert.

Zwischen 20 und 30 Prozent Provision

Für den Endkunden, der mit einem „Überraschungssackerl“ konfrontiert ist, dennoch
ein interessanter Deal. Strasser: „Er bezahlt nur ein Drittel vom regulären Verkaufspreis. Das sind in der Regel zwischen drei und fünf Euro.“

Für die teilnehmenden Unternehmen bleibt neben dem Umweltgedanken und dem Wegfall der Entsorgungskosten eine kleine Auffettung des Umsatzes. Bei einem ungefähren Wareneinsatz von 30 Prozent bei Speisen in der Gas­tronomie ist das allerdings kein Profit-Turbo. Denn vom ohnehin schon reduzierten Verkaufspreis schneidet „Too Good To Go“ eine Provision zwischen 20 bis 30 Prozent mit – genaue Angaben möchte das Unternehmen nicht preisgeben. Hinzu kommen 49 Euro jährlicher Mitgliedsbeitrag. Daher ist der Service – genauso wie Zustelldiens­te à la Mjam – in erster Linie als Marketing-Instrument zu verstehen, um neue Kundschaft ins Lokal zu locken.

In Österreich sind zirka 400 Betriebe mit an Bord. Unter ihnen findet man Bäckereien, etwa Anker, Backwerk, und Hotels wie das Park Hyatt Vienna, aber auch Franchise-Ketten wie zum Beispiel Nordsee. Sie müssen sich nicht um die Zahlungsabwicklung kümmern, denn der Kunde zahlt über die App.

In 14 Ländern Europas tätig

In Österreich startete „Too Good To Go“ 2019. Nach Wien im August folgten bald Linz und Graz. Im Laufe des Jahres 2020 will man in allen großen Städten Österreichs verfügbar sein. Europaweit gibt es die App in 14 Ländern, vor allem in Zentral- und Mitteleuropa. Heuer wagt man auch den Schritt über den Atlantik in die USA. „Wir haben gesehen, dass das Konzept in Europa funktioniert. In den USA werden außerdem noch mehr Lebensmittel weggeworfen als bei uns“, so Strasser. Der Österreich-Ableger ist eine 100-Prozent-Tochter vom dänischen Mutterschiff. Global beschäftigt man rund 500 Mitarbeiter, in Österreich derzeit 13.

Auf die Frage nach der Höhe des Umsatzes gibt Georg Strasser eine pragmatische Antwort: „Umsatz ist für uns keine Kennzahl. Wir sehen uns als Sozialunternehmen und messen uns daran, wie viele Mahlzeiten wir retten können.“ In Österreich wurden über „Too Good To Go“ seit Marktstart im August 2019 schon über 100.000 Mahlzeiten gerettet. Glo-bal steht man bei über 30 Millionen Mahlzeiten. Bei einem durchschnittlichen Preis von vier Euro und 25 Prozent Provision wären das immerhin 30 Millionen Euro ­Brutto-Umsatz.

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