Berufe mit Seltenheitswert

Sechs individuelle Personen, sechs ungewöhnliche Erwerbstätigkeiten und ein Einblick in die mannigfaltigen Beweggründe ihrer Berufswahl.

„Ich war von Kind auf von Artisten und Akrobaten fasziniert, habe aber einen bodenständigen Beruf erlernt. Danach wollte ich nicht in das normale Berufsrad einsteigen, sondern mich weiterentwickeln, was ich bis heute nicht bereut habe“, erzählt Luftakrobatin Maria Gschwandtner. Um ihren Beruf auszuüben trainiert sie zwischen zwei und fünf Stunden täglich. Trotz eines Absturzes aus sechs Metern Höhe hat sich die Achtundzwanzigjährige zum Glück noch nie schwer verletzt. „Daraus habe ich sehr viel gelernt und obwohl ich meinen Beruf von Herzen Liebe, habe ich auch sehr viel Respekt davor.“
Auch Lebensmittelinspektor Gerald Ratzinger ist mit seiner Berufswahl glücklich. Vor allem begeistert ihn die Abwechslung, die seine Tätigkeit mit sich bringt. „Verschiedene Lebensmittelunternehmen von einer neuen Seite kennenzulernen und dabei im Außendienst tätig zu sein – das macht den Beruf so spannend! Zudem genieße ich das Privileg geregelter Arbeitszeiten, vor allem da ich aus der Gastronomie- und Tourismusbranche stamme, wo geregelte Arbeitszeiten eine Seltenheit darstellen. Die Lebensmittelaufsicht stellt zwar in erster Linie eine Überwachungsbehörde dar, steht aber auch gerne für Fragen von Unternehmen in lebensmittelrechtlichen Anliegen bereit.“ Voraussetzung für die Ausbildung zum Lebensmittelinspektor ist ein aufrechtes Dienstverhältnis mit dem jeweiligen Bundesland oder Magistrat. Der Unterricht wird an der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit abgehalten; die Praxis bei verschiedenen Dienststellen und die kommissionelle Abschlussprüfung runden die Ausbildung ab.

Ungewöhnliche Lehrberufe     

Helmut Pramstaller ist seit vielen Jahren Fassbinder und produziert Fassgeschirr individuell auf Kundenwunsch. „Das Holzfass ist beim Wein nicht wegzudenken und zudem für die Qualität notwendig. Aber das Fass ist nicht nur wesentlich für den Wein, sondern auch für andere Produktbereiche.“ Von Regenwassertonnen bis hin zu Saunahäusern oder Möbeln aus alten Weinfässern  reicht die Produktpallette des Handwerkskünstlers. Der Tiroler hat eine Fachschule für Tischlerei und Raumgestaltung besucht und anschließend die Fassbinderlehre samt Meisterprüfung absolviert. Aus derselben Branche stammt auch Norbert Mitterer, der später als Quereinsteiger in den Beruf Schädlingsbekämpfer wechselte. „Schädlingsbekämpfer ist seit einigen Jahren auch ein Lehrberuf, allerdings mangelt es an Nachwuchs.“
Sein Beruf, auch Kammerjäger genannt, setzt Reisebereitschaft, Flexibilität, selbstständiges Arbeiten und keine Angst vor Spinnen, Ratten, Mäusen, Wespen und anderem Ungeziefer voraus. Mitterer führt aus: „Da bei Schädlingsbefall keiner verschont wird, arbeite ich sowohl für Privatpersonen, als auch für Gewerbe- und Industriebetriebe. Egal ob Würstelstand oder Fünf-Sterne-Hotel, es ist immer schön Personen in Not zu helfen. Bei der Verabschiedung nehme ich die Worte: ‚Ich hoffe, wir sehen uns nie mehr wieder‘ nicht persönlich.“

Konkrete Berufsvorstellungen schon als Kind

„Es war in der Schulzeit und fing mit einem Computerprogramm an, das ich im Internet gefunden hatte. Es erlaubte mir auf einfache Weise Spiele zu erstellen. Genau diese Art von Spielen, die ich zu Hause auf meiner Playstation spielte. Das ist jetzt neun Jahre her, seitdem entwickle ich Spiele selbst.“ Für den Game Designer Markus Langthaler kam nie ein anderer Beruf in Frage. Seine besten Ideen entstehen während des Entwickelns selbst. „Zwischen der Idee im Kopf und der Wirkung dessen im Spiel liegt oft sehr viel Raum. Ein fertiges Spiel besteht meist aus tausenden kleinen Ideen.“
Auch Daniel Pröbstls Berufswunsch kristallisierte sich bereits früh heraus. „Während meiner Praktika am Flughafen wurde mir alles von der Wartung der Flieger, über den Tower, der Flugsicherung, bis hin zur Bodenabfertigung gezeigt. Bei der Bodenabfertigung begeisterte mich der Beruf Ramp Agent, da sehr viel Feingefühl, Kommunikationsfähigkeit und Zeitmanagement verlangt wird.“ Seinen Beruf beschreibt der Ramp Agent als Bindeglied zwischen fliegendem- und Bodenpersonal. „Routine ist zwar notwendig, jedoch muss man auch Außergewöhnliches in kurzer Zeit lösen, da immer wieder Wetter, technische Mängel oder Passagiere selbst zu Herausforderungen werden und somit kein Flug gleich ist.“ Nach erfolgreicher Bewerbung absolvierte er einen zweiwöchigen theoretischen Kurs, indem die Themen Ramp Handling, Vorfeldschulung und Dangerous Goods unterrichtet wurden und mit einem positiven Test abzuschließen waren. „Nach weiteren drei Monaten praktischer Ausbildung muss man einen Flieger alleine, ohne fremde Hilfe, abfertigen. Besteht man diesen praktischen Test, geht es auch schon los“ berichtet Pröbstl enthusiastisch.  

Variable Verdienstmöglichkeiten

„Da ich meist selbstständig bin, habe ich Monate in denen ich besser verdiene, in anderen habe ich weniger, oft auch deutlich weniger Einkommen. Man kann es mit einem durchschnittlichen Gehalt vergleichen. Auch wenn wir das Geld zum Leben brauchen, Artisten wählen (meist) diesen Beruf, weil ihr Herz dafür schlägt“, erzählt Gschwandtner und auch Langthaler weiß, dass die Gehälter als Gamedesigner variieren, aber im Durchschnitt branchengerecht sind. Pröbstl erläutert: „Man kann sich vom Ramp Agent zum Load Sheeter, Koordinator oder Schichtführer weiterentwickeln. Mit ausreichend Potential ist auch ein Aufstieg zur Flugplatzbetriebsleitung möglich – der Verdienst richtet sich nach der jeweiligen Position.“ Ausgesprochen zufrieden zeigt sich Schädlingsbekämpfer Mitterer, der dank Überstunden, Diäten und weiteren Zulagen sein Gehalt mit den Worten „sehr gut“ beschreibt.

>> Zum Download: Selten Berufe und die Ausbildungsmöglichkeiten dafür

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