Die Eltern als Lehrer

„Häuslicher Unterricht“ – wenn Mama und/oder Papa ihre Kinder nicht in die Schule schicken, sondern zuhause selbst unterrichten.

Im Schuljahr 2013/2014 wurden 1.888 Schüler in ganz Österreich unterrichtet (gem. §11 Abs. 2 SchPflG) – nur 15 davon bestanden die Externistenprüfung nicht. (Foto: monkeybusinessimages - Thinkstock.com)

In Österreich gibt’s streng genommen keine Schulpflicht, sondern eine Bildungspflicht. Gelernt kann auch zu Hause oder in einer Kindergruppe werden – solange man am Ende jedes Schuljahres erfolgreich eine Prüfung an einer öffentlichen Schule über den Jahresstoff ablegt (die „Externistenprüfung“). In Deutschland beispielsweise ist das nicht möglich – dort gilt Anwesenheitspflicht in einer Schule.

Zeugnisse ausstellen dürfen allerdings nur Schulen mit Öffentlichkeitsrecht (öffentliche wie private). Wer einen häuslichen Unterricht anstrebt, muss das daher melden. Der Erziehungsberechtigte muss es vor Beginn jedes (!) Schuljahres dem Bezirksschulrat anzeigen, in Form einer Abmeldung. In Wien gibt es ein eigenes Referat für ExternistInnen.

Dass die Eltern zuhause in ihrer Rolle als Lehrkörper einen guten Job machen, weist die Statistik aus. Laut dem Ministerium für Bildung und Frauen wurden im Schuljahr 2013/2014 insgesamt 1.888 Schüler in ganz Österreich unterrichtet (gem. §11 Abs. 2 SchPflG) – nur 15 davon bestanden die Externistenprüfung nicht.

Häuslicher Unterricht in der Praxis

Familie Fialas Zwillingssöhne sind mittlerweile erwachsen. Ihre ersten drei Schuljahre haben sie auf recht unübliche Weise verbracht: Ihr Vater unterrichtete sie zu Hause, ihre Mutter sorgte für die „Praxisübungen“: Ein Ausflug in den Wald, ein Anschauungsunterricht in der Bankfiliale und vieles mehr.

Was war das Schwierigste am Hausunterricht? „Den Lehrstoff zu bewältigen war keine große Herausforderung“, erinnert sich Vater Mario Fiala, in der Schule mit den vielen Kindern gäbe es ja jede Menge Reibungsverluste, mit zwei Kindern käme man mit dem Stoff weitaus schneller durch. Grundsätzlich hielt er sich an die Lehrbücher, wenn er auch da und dort Dinge anders lehrte. Ein weiteres Plus: er unterrichtete die Kinder zum Großteil in Englisch. „Die Disziplin zum Lernen aufzubringen war eher das Problem bei den Kindern.“ Mit ein Grund, weshalb sie dann ab der vierten Klasse doch eine Schule besuchten.

Für die Eltern war natürlich die Zeiteinteilung die größte Herausforderung. „Mit einem Nine-to-five-Job wird man das kaum schaffen“, so Fiala. Bei ihm selbst sei es nicht so schwierig gewesen, da er schon davor den Bundesdienst aufgegeben und sich stattdessen selbstständig gemacht habe, so wie seine Frau. Dennoch, „es hat Einschränkungen gegeben“, insbesondere auch finanzielle. Das habe man als Familie aber bewusst so gewählt. Die jährlichen Externistenprüfungen meisterten die Buben problemlos, „wenngleich manche Note besser hätte sein können“, so Fiala.

Was den Vater besonders an seiner Schulzeit gestört hatte, nämlich das Vermitteln wenig sinnvoller Lerninhalte,„wie in meiner Jugend, als wir noch mit Mengenlehre gequält wurden“, konnte er freilich auch im häuslichen Unterricht nicht ganz verhindern – schließlich wurde der vorgeschriebene Lernstoff am Ende des Jahres abgeprüft. 

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