„Industrie 4.0 braucht neue Jobprofile“

Sabine Herlitschka, CEO von Infineon Austria, über Industrie sowie Mensch 4.0 und welche neuen Jobs dadurch entstehen.

Sabine Herlitschka, Infineon Austria: „Ein neues Jobprofil ist der 'Work Area Controller'.“ (Foto: Infineon Technologies Austria AG/Henry Welisch pix.at)

GEWINN: Rekordzahlen für Infineon Österreich (siehe Kasten) – worauf basieren sie?

Herlitschka: Die Konzernstrategie mit der Fokussierung auf wesentliche Zukunftsthemen wie Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit geht auf. Die gute Marktentwicklung in den Geschäftsbereichen (Anm. siehe Kasten) sowie Produktivitätssteigerungen prägen unser Ergebnis. Wir werden daher 2016 das Thema Industrie 4.0 aktiv fortsetzen, damit Innovationszyklen weiter beschleunigen und die Forschungs- und Entwicklungs-Exzellenz ausbauen. 

GEWINN: Sie haben auch einen neuen Beschäftigungshöchststand vermeldet.

Herlitschka: In Österreich beschäftigen wir 3.493 Personen, davon allein 1.269 in Forschung und Entwicklung.

GEWINN: Das sind hochqualifizierte und -spezialisierte Jobs. Wie hoch ist Ihr Akademikeranteil unter der Belegschaft?

Herlitschka: Der Anteil hat sich in den letzten Jahren fast verdoppelt, liegt bei knapp 50 Prozent. Für uns ist es wesentlich, den zukünftigen Anforderungen am Arbeitsmarkt frühzeitig zu begegnen, denn Arbeitsplätze mit einfachen Tätigkeiten werden abnehmen. Aus- und Weiterbildung auf allen Ebenen ist zent­ral. Daher bieten wir viele Ausbildungsprogramme und Qualifizierungsmaßnahmen für unsere Mitarbeiter an. 

GEWINN: Finden Sie in Österreich ausreichend qualifiziertes Personal?

Herlitschka: Seit Jahren weist die Branche darauf hin, dass es einen Fachkräftemangel in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen gibt. Das sieht man auch bei uns. Wir haben beispielsweise an unserem Standort in Villach einen Gebäudeverbund eröffnet, in dem Industrie-4.0-Anwendungen im laufenden Betrieb eingesetzt werden. Damit sind wir in Österreich Vorreiter für dieses Thema, stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit und schaffen neue Schlüsselarbeitsplätze. Von den im Zeitraum 2014 bis 2017 geplanten rund 200 neuen High-tech-Arbeitsplätzen sind bis zum Bilanzstichtag 130 Stellen besetzt. Wir sind also noch auf der Suche. Darüber hinaus gibt es absolutes Spezialistentum. Es gibt etwa weltweit nur eine geringe Anzahl Menschen, die Experten im Bereich der Erforschung neuer Materialien für Anwendungen in der Mikroelektronik sind. Hier sind unsere Anstrengungen groß, solche Leute nach Österreich zu bringen und hier zu halten.

GEWINN: Beiben wir beim Mensch 4.0. Welche Arbeitsplätze haben wir in Zukunft dabei?

Herlitschka: Dieses Thema muss man proaktiv durch eine Vielzahl von Ausbildungsmöglichkeiten angehen, das tun wir bereits seit geraumer Zeit. Wir arbeiten intern, insbesondere mit den Betriebsratsvorsitzenden, wie wir die Zukunft der Arbeitswelt durch Qualifizierungsmaßnahmen und neue Jobprofile bewusst gestalten.

GEWINN: Welche neuen Jobprofile?

Herlitschka: Gefragt sind zukünftig vor allem Mitarbeiter, die ein umfassendes Systemverständnis mitbringen, um immer komplexer werdende Systeme besser handhaben zu können. Ein neues Jobprofil, der „Work Area Controller“, ist bereits entstanden: diese überwachen mit mobilen Leitständen die Produktion und steuern komplexe Systeme. Zudem werden raschere Produktionszyklen immer wichtiger. In der Produktion fallen Unmengen von Daten an. Hier brauchen wir spezialisierte Analytiker, die die Unmengen an Daten filtern und jene Raster in den Fertigungssystemen erkennen, wodurch schlussendlich die Produktion schneller und effizienter gestaltet werden kann. 

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