Mit Punsch, Charme und Maroni

Auf dem Christkindlmarkt (wie hier: Innsbruck) treffen Vollzeitmarktfahrer auf Gelegenheitsstandler. Was es braucht, um als Aussteller seinen eigenen Stand zu bekommen.

Foto: Christof Lackner

Im Herzen Maria Taferls, gleich neben der Basilika, betreiben die Schüllers ein Café mit angrenzender Schnapsbrennerei. Neben Schnäpsen stehen selbstgemachte Marmeladen zum Verkauf, auch Führungen und Brennseminare werden geboten. „Weil das Geschäft zu Allerheiligen nachlässt, hatte mein Vater die Idee, nach Wien auf einen Adventmarkt zu gehen“, berichtet Lukas Schüller. Zunächst ergatterte der Familienbetrieb einen Standplatz auf dem Weihnachtsmarkt am Spittelberg, ein paar Jahre später auch auf dem Kultur- und Weihnachtsmarkt Schloss Schönbrunn. „Wir waren auf beiden Märkten vertreten, bis sich rauskristallisierte, dass unsere Produkte in Schönbrunn mehr abwerfen“, sagt Schüller, der heuer bereits zum 16. Mal in Schloss Schönbrunn ausstellt.

„Mit Abfüllen, Etikettieren und Zusammenstellen von Geschenken speziell für den Weihnachtsmarkt fangen wir bereits im August an“, so der Niederösterreicher. Die Mühe ist es aber wert, denn rund ein Drittel des Jahresumsatzes erwirtschaftet Schüller auf dem Christkindlmarkt. Zu den Kunden zählen ein großes Stammpublikum sowie internationale Gäste. Besonders am Wochenende klingelt die Kasse. Je näher Weihnachten heranrückt, desto mehr sei aber auch unter der Woche los, sagt Schüller, der rund 11.000 Euro für die Standgebühr hinlegt. „Mindes­tens viermal so viel muss man einnehmen, dann ist das Geschäft rentabel“, klärt er auf. „Das ist bei uns Gott sei Dank der Fall.“

Bis zu 50.000 Euro Standkosten

80 Aussteller zählt der Kultur- und Weihnachtsmarkt Schloss Schönbrunn, der heuer zum 26. Mal seine Pforten öffnet. Das Angebot reicht von traditionellem Kunsthandwerk wie Holzschnitzarbeiten über nostalgisches Spielzeug bis hin zu liebevoller Weihnachtsdekoration aus Glas, Holz, Keramik, Papier oder Zinn. Im Schnitt sind jedes Jahr fünf bis zehn neue „Standler“ mit an Bord. „Alle Bewerbungen werden gesichtet und von einer Jury ausgewertet. Kriterium ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gastronomie, Gewerbe und Kunsthandwerk. Bei Letztgenanntem liegt der Fokus auf kleinen Handwerksbetrieben und Manufakturen, die selber produzieren, entwickeln designen und optimalerweise auch selbst verkaufen. Wir sind der Meinung, dass das kleine Handwerk geschützt und gestärkt werden muss“, sagt Marktveranstalterin Gabriela Schmidle.

Weil die sechswöchige Marktdauer viele Kunsthandwerker hinsichtlich Produktion und Betreuung des Standes vor eine Herausforderung stellt, wurden heuer erstmals zwei sogenannte Wechselhütten eingerichtet. Sie werden von kleinen Handwerksmanufakturen und Kunsthandwerkern abwechselnd für einen begrenzten Zeitraum bespielt. Auch den sechswöchigen Ausstellern stellt der Veranstalter die gesamte Infrastruktur samt Auf- und Abbau der Stände zur Verfügung. Zwischen 3.000 und knapp 50.000 Euro kostet eine Hütte, abhängig von Standgröße und Gewerbe. „Kunsthandwerker oder Manufaktur bezahlen etwa 3.000 Euro für einen kleinen Stand. Der Gastronom, der ein Salettl mietet, kommt auf rund 50.000 Euro“, informiert die Veranstalterin.

Besuch vom Marktamt

Weihnachtsmärkte fallen unter den Begriff marktähnliche Veranstaltung, auch als Quasimarkt bezeichnet. Weil sie aus einem bestimmten Anlass heraus stattfinden, trifft auch die Bezeichnung Anlassmarkt zu. Die jeweilige Marktordnung obliegt den Gemeinden und ist daher überall unterschiedlich. In Wien hat das Marktamt im letzten Jahr 20 Adventmärkte mit rund 1.000 Standln kont­rolliert, jene auf privatem Grund ausgenommen. Um auf einem Christkindlmarkt verkaufen zu können, ist bei gewerbsmäßigem Anbieten eine Gewerbeberechtigung erforderlich. „Einen Gewerbeschein brauchen die Unternehmer, die in der Wirtschaftskammer Wien eingegliedert sind, wie zum Beispiel Handel oder Gastronomie. Bauern sind nicht Mitglieder der Wirtschaftskammer Wien und brauchen daher einen Produzentennachweis. Private dürfen ihre Waren nur sehr eingeschränkt auf Märkten anbieten“, heißt es dazu von der Wirtschaftskammer Wien.

Die Vergabe von Standplätzen obliegt ausschließlich den jeweiligen Organisatoren. Diese müssen veröffentlichen, nach welchem Prinzip sie die Plätze vergeben. Maximal ein Drittel der Stände darf gastronomisch sein. Bei den Kontrollen ist das Wiener Marktamt voll im Einsatz. Dabei werden Organisator und Standler genau unter die Lupe genommen. „Wenn ein Organisator nicht bemüht ist, die Einhaltung der Marktordnung zu gewährleisten, wird er nicht mehr als verlässlich gelten und somit nicht die Bewilligung bekommen, einen Markt abzuhalten“, sagt Alexander Hengl vom Wiener Marktamt.

Vom Kunsthandwerker zum Marktfahrer

Schauplatzwechsel. Von Wien nach Tirol. Mit handgefertigten Herzen, Sternen, Engeln und Schildern aus Holz ist Markus Radmoser heuer zum wiederholten Mal auf dem Christ­kind­l­markt in der Innsbrucker Altstadt vertreten. Geboten werden personalisiertes Kunsthandwerk aus Holz, aber auch Partnerprodukte, die aus Messing und Keramik gefertigt werden. Die hübschen Rohmodelle werden direkt vor Ort am Christkindlmarkt veredelt. Schriftzüge, Namen oder Bilder werden dabei ganz nach Kundenwunsch in das jeweilige Produkt gebrannt bzw. gemalt. „Die Leute schauen gerne zu, wie ich ihren Namen in das Holz brenne und dabei der Rauch aufgeht. Bei uns erhält man Produkte, die man nicht von der Stange kaufen kann“, fasst Radmoser stolz das Konzept zusammen.

Die Kunstwerke werden das ganze Jahr über auf ausgewählten Märkten verkauft, dazwischen fokussiert man sich auf die Produktfertigung. „Es gibt nur noch wenige, die selbst produzierte Ware auf Märkten verkaufen. Aus dem Grund haben wir auch einen begehrten Standplatz auf dem Christkindlmarkt in der Innsbrucker Altstadt ergattert“, sagt Radmoser, der die Waren auch auf Ostermärkten, Bauernmärkten, Kirtagen und Firmenveranstaltungen feilbietet. Auch Firmen mischen sich unter die Kundschaft. Erst kürzlich wurden etwa 100 Herzen als Weihnachtsdekoration an ein Hotel verkauft. Durch die Präsenz auf dem Christkindlmarkt ziehe man auch viele Neukunden an Land, die unterm Jahr Bestellungen über den Online-Shop tätigen.

Fairplay als Geschäftsmodell

„Meine Aufgabe sehe ich darin zu inszenieren und Menschen in ihre Kindheit zurückzuversetzen“, erzählt Marktveranstalter Robert Neuner, der gemeinsam mit seinem Kernteam über die Standplatzvergabe entscheidet. Dazu greift man auf einen eigens dafür konzipierten Bewertungskatalog zurück, indem alle für den Markt wesentlichen Kriterien – von Qualität bis hin zu logistischen Fragen – enthalten sind.

Wer den Zuschlag erhält, bekommt die Hütte „bezugsfertig“ auf dem Markt aufgestellt, sodass sich der Händler ganz auf das Dekorieren und Verkaufen konzentrieren kann. Standgrößen zwischen zwei und sechs Meter stehen zur Wahl. Bei einem Drei-Meter-Stand bewegen sich die Kosten je nach Ware zwischen 2.700 Euro und 8.000 Euro netto, inklusive Strom. Angeschmiegt an das Goldene Dachl vermitteln die 70 Standln ein einzigartiges Weihnachtsfeeling. „Das Shopping-Erlebnis ist ein Miteinander, das spürt der Kunde“, ist Neuner überzeugt.

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