Was sich gut im Lebenslauf macht

Wie Sie Ihren CV auffrisieren und selbst die hartgesottensten Personalchefs beeindrucken.

Foto: Uli Carthäuser / pixelio.de

Neulich auf einer Trainee-Veranstaltung. „Wer von euch hat ein Auslandssemester gemacht?“, fragt die Moderatorin in die Runde. Zwei Drittel der Hände gehen hoch. Wer nicht aufzeigt, blickt verschämt zu Boden. Holt euch Auslandserfahrung, lautete noch vor wenigen Jahren das Rezept für einen raketengleichen Karrierestart. Lernt möglichst viele Fremdsprachen (nicht die einfachen Romanischen, sondern die richtig schwierigen aus dem Osten). Schreibt Zusatzkompetenzen in den CV (Curriculum Vitae, Lebenslauf), die weit über euer Studium hinausgehen. Eine Prise soziales Engagement schadet auch nicht. Kamen dazu noch (neben Supernoten, versteht sich) eine realistische Studiendauer und richtungsweisende Praktika, konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Die Folgen waren dreierlei: Erstens wird heute jedes Im-fremden-Land-Essen-bestellen-können als gehobene Sprachkenntnis und jedes Babysitten als soziales Engagement gerühmt. ­Zweitens hinterfragen Personalchefs äußerst kritisch, ob sich das wirklich alles unter einen Hut bringen lässt. ­Drittens sind Studenten, denen der finanzielle Hintergrund für Auslandssemester und -praktika fehlt, eindeutig im Nachteil. 

Wenn immer mehr hoch gepimpte, glattgeschliffene Bewerbungen im Markt sind, womit sticht man dann noch heraus? Wie beeindruckt man den Personalchef? 

„Europass – um Gottes willen“

Ursula Vogler leitete drei Jahre lang die Personalabteilung von KPMG, dem größten der Big-four-Wirtschaftstreuhänder. „Das Wichtigste für Bewerber ist, sich von den anderen zu differenzieren“, sagt sie. Das gelingt auf zwei Arten:

  • Erinnerungswürdige Optik: Ein CV muss fehlerlos sein, das ist klar. Die Kunst ist, auch optisch im Gedächtnis zu bleiben. Professionelle Recruiter brauchen genau zwei Minuten, dann haben sie einen Lebenslauf schlüssig verstanden und halten ihn für interessant – oder er landet auf dem Stoß der enttäuschten Hoffnungen. Das vielerorts gepriesene Europass-Formular (www.europass.at) entlockt Vogler daher nur ein „Um Gottes willen.“ Sie bevorzugt stimmig und geschmackvoll gestaltete CVs – „aber bitte keine Rüscherln und Blümerln.“ Personalchefs anderer Branchen stimmen ihr zu. „Natürlich ist die Optik nicht das Wichtigste“, sagt Thomas Unterhuber, HR-Business-Partner in der IT-Beratung Capgemini. „Aber ich will erkennen, dass sich jemand Mühe gegeben hat.“ In strukturierten Branchen wie der IT punktet ganz klar die Übersichtlichkeit – doppelt schwierig, wenn man ein ganzes Berufsleben in ein paar Zeilen quetschen muss. Ganz anders geht es in Kreativbranchen zu. Vogler, die an der FH Wiener Neustadt Bewerbungstrainings abhält, erzählt von einem jungen Mann, der ihr einen CV weiß auf schwarzem Grund (!) vorlegte: „Erst habe ich geschluckt. Dann dachte ich, der ist auch sonst ein schräger Typ. Wenn das einer Firma gefällt, ist sie die Richtige für ihn.“
  • Inhalt passt zum Job: Wer dem Personalchef die Arbeit erleichtern will, liefert ihm alles, was er wissen will, auf dem Silbertablett. Besonders clever: genau jene Kompetenzen aufgreifen, die in der Bewerbung gefordert sind, sie in den Unterlagen als eigene Stärken ausformulieren und gleich mit Beispielen hinterlegen. „Das nimmt dem Personalchef das Denken ab“, sagt Vogler, „dafür ist er dankbar.“ Ihr Lieblingsbeispiel ist ein Bewerber für eine Teamleitung, der seine fünfjährige Erfahrung als Bootsführer für White Water Rafting anführte: „Wer jahrelang Leute in einem Schlauchboot platziert und mit seinen Kommandos sicher durch das Wildwasser lotst, dem gebe ich gerne ein Team. Der darf auch eine Drei in Rechnungswesen haben.“ Manuela Lindlbauer, Geschäftsführerin von Lindlpower Personalberatung, sieht gern Executive Summaries, in denen frühere Erfolge dargestellt sind. Besonders natürlich jene, die für die Stelle relevant sind: „Markteinführungen, Umsatzsteigerungen, Kostensenkungen – alles, womit man sich profiliert hat.“ Lindlbauer schaut beim Analysieren eines interessanten Lebenslaufes immer auf die Balance. Findet sie einen roten Faden oder hat jemand ein bisschen hier, ein bisschen da gemacht? Passt das Verhältnis theoretischer Ausbildung zu praktischer Umsetzung? Oder ist er überausgebildet und hat sein Wissen nie auf den Boden gebracht? Hat er kontinuierlich dazugelernt oder ruht er sich auf veraltetem Wissen aus? In den Bundesländern ist man ein bisschen nachsichtiger. Das liegt einerseits am geringeren Bewerberangebot als in Wien. Es sind auch weniger Frauen im Markt, weil man Mütter lieber daheim bei ihren Kindern sieht. Lindlbauer, selbst Oberösterreicherin, fällt auch geringe Mobilitätsbereitschaft auf: „Wenn jemand in Wels wohnt, muss das schon ein toller Job sein, damit er nach Linz geht.“ Auch sei man genügsamer und zufriedener mit dem, was man hat: „Es braucht schon einen guten Grund, um den Job zu wechseln.“ Das schätzen auch die Unternehmen. In den Ländern sind sie mehrheitlich Klein- und Mittelunternehmen oder eigentümergeführt und suchen Mitarbeiter, die lange bleiben. Wien mit seinen Konzernzentralen und raschen CEO-Wechseln hat viel mehr Fluktuation. 

Masse und Klasse – der Computer entscheidet

Am schwierigsten ist es, mit seinem CV einen der hochbegehrten Arbeitgeber zu beeindrucken. Bei Siemens etwa gehen jährlich zirka 11.000 Bewerbungen für Fixstellen ein. Aufgenommen werden derzeit gerade mal 80 bis 100, rechnet Karl Lang vor, stv. Leiter des Bereiches Human Resources CEE bei Siemens Österreich.Weil man keinem Menschen zumuten kann, sich durch diese Stöße zu arbeiten, übernimmt den ersten Schritt der Computer. Der Bewerber trägt seine Daten in eine strukturierte Eingabemaske ein, etwa 0–3 Jahre Berufserfahrung, 3–5 Jahre und so weiter. Der Recruiter hat im Jobprofil hinterlegt, was für die konkrete Stelle erforderlich ist, und lässt sich von der Software passende Bewerber vorschlagen.Pech, wer da zu wenig oder zu viel Erfahrung mitbringt. Diesen Lebenslauf bekommt der Recruiter nie zu Gesicht. Bei allen anderen geht er je nach Interesse in die Tiefe. Erst dann schaut er sich die mitgeschickten Unterlagen an (Bewerbungsschreiben, Zeugnisse) und entscheidet, wen er einlädt und wen nicht. Wichtig daher: In der Eingabemaske alle Felder ausfüllen und so weit wie möglich mit dem Geforderten übereinstimmen. 

Social-Media-Recruiting

Die digitale Welt spielt auch hier eine Rolle. Nicht einmal Siemens bekommt auf alle Stellenausschreibungen den Rücklauf, den man sich wünscht. „Positionen für spezialisierte Software Engineers, erfahrene Projektmanager und Vertriebsleute sind oft mehrere Wochen offen“, sagt Lang. Dann sucht sein Team aktiv in Xing oder LinkedIn nach geeigneten Kandidaten und spricht sie direkt an. Tipp daher für Stellensuchende: Immer das eigene Profil mit fachspezifischen Schlüsselbegriffen auf dem Laufenden halten und regelmäßig aktualisieren. 

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Man sollte meinen, wer sich für einen Job bewirbt, brennt dafür. Dem ist nicht so. Recruiter und Personalberater wundern sich oft über die Gleichgültigkeit ihrer Bewerber. „Mir kommt vor, viele wollen den Job nur, wenn’s leicht geht“, ärgert sich Personalberaterin Lindlbauer, „ich vermisse den Zug zum Tor.“ Umgekehrt beeindruckt sie, wer echtes Interesse zeigt. „Kürzlich sagte mir eine Bewerberin, sie kann im August anfangen, aber wenn ich will, auch schon früher. Jede andere hätte behauptet, sie kann erst im September, weil sie den Sommer genießen will.“ Auch überzogene Forderungen ärgern die Personalisten. Es kommt gar nicht gut, schon im Erstgespräch auf Homeoffice zu bestehen oder nach einem Sabbatical zu fragen. Lindlbauer: „Eine Kandidatin war bereits in der dritten Runde und sagt plötzlich, sie nimmt den Job nur, wenn sie ihren Hund in die Arbeit mitnehmen kann. Da fehlt mir jedes Verständnis.“ Spätestens im Bewerbungsgespräch fliegen auch Schummeleien im CV auf. Die Recruiter haben einen guten Riecher für Ungereimtheiten und Schwachstellen und decken sie gnadenlos auf. Siemens-Chefrecruiter Lang erzählt von einem Bewerber mit vorgeblichem HTL-Abschluss, dessen Maturazeugnis sich als gefälscht herausstellte. Klarer Fall von Photoshop: „Deshalb verlangen wir Zeugnisse immer im Original“, sagt Lang. Im konk­reten Fall erkundigte sich Siemens sogar direkt bei der HTL. Daraus leitet sich unser abschließender Rat ab: Immer bei der Wahrheit bleiben. Sonst geht es einem wie jener Bewerberin, die Mountainbiking als ihr Hobby angab und an einen Mountainbike-begeisterten Personalchef geriet. Der fand schnell heraus, dass sie erst einmal auf einem Bike gesessen hatte. Mit dem Job wurde es leider nichts.

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